Wie der Internetgigant sich auf die Seite der Copyright-Piraterie stellt.

Das
EU Parlament hat sich mal wieder zusammengesetzt. Diesmal ging es um
Urheberrechte und das Internet.

Seit
bald zwei Jahrzehnten versuchen die Länder der westlichen Welt den Ausverkauf
ihrer Popkultur durch die illegale Verbreitung von Musik und Filmen im Internet
zu stoppen. Mehr oder weniger erfolgreich. Jetzt kommt das EU Parlament und
nimmt sich der Sache an.

Und
die Damen und Herren der Nachkriegsgeneration die zum ganz überwiegenden Teil
das Parlament in Straßburg bevölkern – sie haben Ideen. Ein Gesetz soll es nun
richten. Beziehungsweise eine Reform-Richtlinie. Hat früher funktioniert wird
wohl auch hier klappen.

Diese
Reform sagt im Prinzip in ihrem Artikel 13, dass sich Online Plattformen
Lizenzen von Rechteinhabern für Uploads sichern sollen bzw. sicherzustellen
haben, dass die hochgeladenen Inhalte nicht gegen Rechte verstoßen.

Klingt
doch erst einmal nach der lange vermissten Lösung… oder? Jawohl, sagen die EU
Parlamentarier.

Allerdings
sind nicht alle von dieser Reform Betroffenen derart zuversichtlich. Die Chefin
von You Tube Susan Wojcicki zum Beispiel ruft nun die Nutzer ihrer Plattform
zum Protest gegen die Reform auf.

Oder
anders gesagt: Hier ruft der Wolf die Schafe zum Protest gegen den Schäfer auf.
Denn, so erklärt der Wolf den Schafen, wenn der Schäfer Zäune aufbaut, dann
können die Schafe ja nicht mehr frei umherlaufen. Oder wenn der Schäfer sogar
einen Hund anschafft, dann sind die Schafe dadurch ja massiv in ihrer Freiheit
eingeschränkt.

Frau
Wolfcicki bzw. Wojcicki erklärt den Nutzern ihre Weltanschauung so: Da You Tube
aufgrund der vielen Millionen Uploads natürlich nicht jeden einzelnen Upload
überprüfen kann, muss eine Software dies erledigen. Und diese Software wird
dann wohl mit einem viel zu grobem Raster alle möglichen Inhalte herausnehmen.
Das wird laut Frau Wojcicki dann leider auch harmlose Inhalte wie Lehrvideos,
Sprachkurse und so weiter treffen.

Denn
es ist für You Tube (Google!!!) natürlich nicht möglich, jetzt ganz schnell
eine Software bzw. einen Algorithmus zu entwickeln, der unproblematische Inhalte
von problematischen unterscheiden kann.

Moment…
gibt es da nicht schon etwas? Ja genau, »Content ID« ist ein von You Tube
entwickelter Algorithmus bzw. eine Software auf den die Programmierer
wahnsinnig stolz sind. »Content ID« kann in vielen Fällen besser als ein Mensch
Musik erkennen, vergleichen und entscheiden ob es sich um ein Plagiat bzw.
einen illegalen Upload handelt. You Tube bietet die Leistung dieser Software
Plattenfirmen und Musikverlagen an die ihre Künstler bei You Tube präsentieren
möchten aber nicht wollen, dass diese Inhalte dann auch noch von anderen You
Tube Nutzern hochgeladen werden.

Auch
in anderen Bereichen ist »Content ID« seit Jahren aktiv und wird stetig
weiterentwickelt. Aber gut  – Schwam
drüber. Mit Kritik am Gesetzgeber und vor allem an der EU Gesetzgebung fährt
man halt immer gut. Vor allem wenn man sich (wie es die You Tube PR Strategie
schon im Fall gegen die GEMA vorgesehen hat) zum Robin Hood der Internet-Community
stilisiert.

Natürlich
möchte You Tube (Google!) nur, dass alle Menschen sich fröhlich und frei auf
der mit Liebe und aus einem starken Gemeinsinn heraus entwickelten Seite You
Tube vergnügen dürfen.

Tatsächlich
macht You Tube Milliarden mit den Rechten anderer und möchte davon am besten
nichts abgeben und auch nicht mehr als unbedingt nötig für Schutzinstrumente
ausgeben. Bzw. sich nicht von jemand anderem vorschreiben lassen, wie das
Schutzniveau für die fremden Rechte denn auszusehen hat.

You
Tube verweist darauf, dass die Rechteinhaber ja selber die Möglichkeit haben
gegen Verletzungen vorzugehen. Wohlgemerkt Rechteinhaber die evtl. nichts davon
wissen, dass ihre Rechte missbraucht werde und dementsprechend einer Nutzung natürlich
auch nicht zugestimmt haben.

Das
ist dann etwa so als ob der Fischhändler faulen Fisch verkauft und dann
gegenüber der Lebensmittelaufsicht darauf verweist, dass der Fisch bitteschön
selber für seinen einwandfreien Zustand sorgen möge.

Google
und You Tube sind es seit langem gewöhnt, dass das Recht sich in den wirklich
entscheidenden Momenten an sie anpasst. »Wollen Sie das Internet an sich
verbieten?« lautete mehr als einmal die Frage der Google Anwälte an die
Richter, wenn es um Haftungsfragen und Verantwortlichkeiten der Suchmaschine
ging.

Und
es ist natürlich keine bahnbrechende Idee jetzt den Host-Provider (You Tube
»hostet« die Inhalte ja im Prinzip nur) in die Pflicht zu nehmen.

Aber
nachdem es sich mehr und mehr zeigt, dass man ohne die Hilfe dieser großen
Plattformen die Probleme am Ende nur (und das will niemand) durch eine
staatliche Regulierung wie in China tatsächlich in den Griff bekommt, muss man
es vielleicht einmal mit dem Ansatz der EU versuchen.

Was
ist eure Meinung?

Philipp
Vitus Scholl

www.westermann-scholl.de